Wenn Klarheit innen fehlt – und Kontrolle nach aussen übernimmt
Warum Selbstführung die unterschätzte Grundlage wirksamer Führung ist
Veränderung ist Dauerzustand.
Rollen, Prozesse, Prioritäten – alles ist in Bewegung.
Doch viele Führungskräfte reagieren darauf mit einem reflexhaften Muster: Kontrolle.
Mehr Reports. Dichtere Meetings. Engere Vorgaben.
Das Ergebnis?
Gefühlte Sicherheit oben – und stille Resignation unten.
Kontrolle schafft keine Klarheit.
Sie überdeckt das Fehlen innerer Orientierung.
Selbstführung ist mehr als Selbstoptimierung
Selbstführung bedeutet nicht, sich besser zu organisieren.
Sondern sich ehrlich zu spüren:
Emotionale Selbstwahrnehmung: Spüre ich, was in mir passiert?
Mustererkennung: Kenne ich meine Reflexe unter Druck?
Innerer Kompass: Habe ich Werte, die auch dann halten, wenn aussen alles wackelt?
Erst wer sich selbst führen kann, kann andere souverän begleiten.
Nicht durch Kontrolle – sondern durch Präsenz.
Ein Moment aus meiner Praxis
In einem internationalen Projekt wurde der Scope mehrfach angepasst.
Die Unsicherheit stieg – weltweit.
Meetings wurden technischer, Rückfragen knapper, der Ton angespannter.
Ich spürte: Hier geht’s längst nicht mehr um Projektinhalte, sondern um innere Überforderung – getarnt als Kontrolle.
Also wechselten wir die Ebene:
„Was macht die Situation gerade mit dir – nicht als Rolle, sondern als Mensch?“
Die Antworten waren ehrlich:
„Ich weiss nicht mehr, worauf ich mich verlassen kann.“
„Ich mache nur noch, was ich muss.“
Erst als Wertschätzung wieder spürbar wurde, konnte echte Verantwortung zurückkehren.
Nicht im Projektplan – sondern in der Haltung.
Führung beginnt innen – oder gar nicht
Wer sich selbst nicht spürt, steuert andere nur von aussen.
Doch komplexe Projekte folgen keiner Checkliste – sie brauchen Menschen, die innere Ruhe in äussere Bewegung übersetzen.
Wer sich selbst reguliert, kann Emotionen halten.
Wer sich selbst vertraut, muss andere nicht kontrollieren.
Wer eigene Grenzen kennt, schafft gesunde Räume.
„Ohne Selbstführung ist Führung nur Verhalten. Mit Selbstführung wird sie Haltung. Und Haltung wirkt.“
Was hilft – und was nicht
❌ Nicht hilfreich
Kontrollschleifen bei innerer Leere
Führungstrainings ohne Selbstreflexion
Feedback, das Distanz vergrössert
✅ Hilfreich
Räume zur Selbstklärung, bevor Prozesse nachjustiert werden
Reflexion der eigenen Stress- und Machtmuster
Mut, sich als Mensch zu zeigen – nicht nur als Rolle
Wie ich unterstütze
Ich arbeite dort, wo Selbstführung zur Voraussetzung wird:
Ich helfe Führungskräften, ihre Muster unter Druck zu erkennen.
Ich schaffe Settings, in denen Unsicherheit besprechbar wird.
Ich übersetze innere Klarheit in äussere Orientierung –
damit Teams handeln können, ohne permanent gesteuert zu werden.
Nächster (und letzter) Beitrag:
Wenn Veränderung gemeinsam gestaltet wird:
Warum echte Transformation erst möglich wird, wenn Mitverantwortung mehr ist als ein Buzzword.
Wie echte Co-Ownership entsteht – und warum tragfähige Transformation nie ein Einzeljob ist.