Wenn Unsicherheit dominiert – und Kontrolle übernimmt
Warum Führung oft dann scheitert, wenn sie Sicherheit erzeugen will.
Veränderung braucht Orientierung.
Doch was passiert, wenn genau die fehlt – und stattdessen Kontrolle die Lücke füllt?
Ich begleite seit Jahren Organisationen in Veränderungsprozessen.
Was ich dabei immer wieder beobachte:
Wenn die Richtung unklar ist, greifen viele Führungskräfte auf einen altbekannten Reflex zurück – sie ziehen die Zügel an:
mehr Statusmeetings,
mehr KPIs,
mehr Abstimmungsschlaufen.
Nicht aus Boshaftigkeit – sondern aus Unsicherheit.
Was folgt?
Teams passen sich an – aber steigen innerlich aus.
Mitarbeitende, die Aufgaben erfüllen – aber keine Verantwortung mehr übernehmen.
Projekte, die laufen – aber nicht lebendig sind.
Ein Moment aus meiner Praxis
Ich erinnere mich an eine Projektphase, in der alles korrekt ablief – nur stimmte die Stimmung nicht.
Die Zahlen passten, aber die Menschen zogen sich zurück.
Fragen wurden vermieden. Der Ton wurde formeller.
Die Reaktion: engere Taktung, striktere Deadlines, zentralisierte Freigaben.
Die Hoffnung: mehr Kontrolle bringt Fokus.
Das Ergebnis: das Gegenteil.
Wir hielten inne und sprachen – nicht über Inhalte, sondern über das Klima.
Über den Druck. Die Angst. Den Wunsch nach Sicherheit.
Das brachte Bewegung zurück – nicht durch ein neues Tool, sondern durch Verbindung und Präsenz.
Kontrolle ersetzt keine Klarheit – sie verschleiert sie
Unklare Ziele, widersprüchliche Erwartungen, fehlende Rückendeckung.
All das führt dazu, dass Kontrolle als Ersatzstrategie herhalten muss.
Doch je länger sie aufrechterhalten wird, desto mehr entsteht genau das, was eigentlich verhindert werden sollte:
Rückzug statt Verantwortung.
Misstrauen statt Verbindung.
Operative Hektik statt strategischer Fokus.
Was dann hilft
❌ Nicht hilfreich:
Noch mehr Struktur, wo Orientierung fehlt.
Noch mehr Status, wo Vertrauen fehlt.
Noch mehr Druck, wo Unsicherheit herrscht.
✅ Hilfreich:
Eine klare Richtung, die kommuniziert UND verstanden wird.
Führung, die Unsicherheit aushält – ohne sie sofort zuzudecken.
Teams, die nicht nur mitlaufen, sondern mitdenken dürfen.
Was ich tue, wenn der Druck steigt
Ich begleite Organisationen, wenn Aktionismus wächst – aber Wirkung schwindet.
Wenn Führung präsent ist – aber niemand mehr spürt, wofür.
Wenn Klarheit fehlt – und Kontrolle übernimmt.
Ich bringe Struktur, wo Führung sich verliert.
Ich schaffe Räume, in denen Unsicherheit besprechbar wird.
Und ich helfe dabei, Orientierung nicht mit Steuerung zu verwechseln – sondern als Haltung zu verankern: nahbar, klar, wirksam.
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